Typischer Morgen in Kreuzberg



Samstag, irgendwo in Kreuzberg


Sein Kopf dröhnte unerbittlich. Langsam gingen seine Finger in Richtung seiner Schläfen, um ihnen eine morgendliche Streicheleinheit zu verpassen. Er hatte da mittlerweile so seine Routine, 30–45 Sekunden dauerte diese, dann war er wieder so weit, dass er das Bett verlassen konnte. Die Tabak und Asche-Krümel häuften sich mittlerweile in dem seit Wochen nicht neu bezogenen Bett. 

Welches, wie es sich für Berlin gehört, nur aus Lattenrost auf dem Boden und einer Matratze, die der Vormieter im Zimmer gelassen hatte, besteht. Diese hätte eigentlich beim Einzug schon ersetzt werden sollen.

Auf dem Boden waren zwischen sowohl sauberen als auch dreckigen Klamotten einige leere Tabak-Packungen verteilt. Erstmal ’nen Kaffee dachte er sich. Schaute auf den Vintage Wecker auf dem zugestellten Schreibtisch, 16:45 zeigte er. Shit, doch schon wieder so spät. 

Aber er war ja auch erst um 9 von der After gekommen. So ist es hier halt, dachte er sich und ging in Tanktop und Boxershorts (unsicher, ob frisch oder dreckig) in die Küche seiner Wg. Er wohnte mit zwei Bekannten zusammen, die er noch aus seiner Heimat kannte. Er war nie mit ihnen befreundet gewesen, mochte sie auch nicht besonders, er wusste aber, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte, also war es eh okay. Die beiden hatten letztes Jahr die Wohnung von einer WG übernommen und hatten noch einen Mitbewohner gebraucht und da die beiden niemanden kannten hatten sie ihn gefragt.

Damals war es ihm auch ganz recht, da er sich um nichts kümmern musste. Die beiden waren halt, na ja, langweilig. Sie waren aus anderen Gründen nach Berlin gezogen als er. Sie studierten hier Medizin. Er studierte hier irgendwas mit Grafik Design, den genauen Namen seines Kurses kannte er nicht mal. Seltenst war er anwesend. 

Aber das juckte ihn auch nicht wirklich, Berlin war genau das, was er sich erhofft hatte. Ganz anders als seine Heimat. Größer, so fucking viel größer. Hier passierte etwas, hier konnte man leben.

Während er den Kaffee in der kleinen Bialetti auf dem Gasherd kochte, holte er fix aus seinem Zimmer sein Bautablett und rollte sich ’ne kleine Tüte. 

Zum Klarkommen, hilft gegen den Kater.


Die Bialetti zischte zwei dreimal auf, bevor er sie bemerkte. Er rollte das Pape ein. Leckte die Klebefläche an und rollte den Joint mit einer Hand fertig, während er mit der anderen den heißen Kaffee in eine Espressotasse kippte. Er gab noch einen kleinen Löffel Zucker hinein, zündete sich seine Katermedizin an und schlurfte zurück zu seinem Zimmer. Öffnete die schön großen Altbau Fenster, lehnte sich auf seine Fensterbank und starrte hinaus, auf den späten Nachmittag in Kreuzberg. Wohin geht es wohl heute Abend?






 











Von Noah Nelson Nash

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