Eine letzte Kippe


Einmal noch. Ein allerletztes Mal, sagt sich Stephan, als er sich die Marlboro Rot mit einem alten Zippo seines Opas ansteckt.


Der braune Filter fühlt sich gut an zwischen seinen Lippen, bei jedem Zug kräuselt sich sein Oberlippenbart kunstvoll um das Ende der Zigarette. Der Mund die Backen füllen sich langsam mit Rauch, noch einmal nach ziehen und schon füllt sich die Lunge mit dem Rauch der schon so vielen Menschen das Leben gekostet hat.


Aber das will man als Raucher ja nicht hören. Doch in letzter Zeit denkt Stephan immer häufiger an die Nebenwirkungen dieses tödlichen Habits, er merkt wie die Kondition schwindet, kleinste strecken bringen ihn zum Keuchen oder verursachen Seitenstechen. Auch finanziell kann es sich Stephan kaum noch leisten. Er würde ja drehen, oder stopfen, aber ihm schmecken die Roten Marlboros einfach am besten.


Während er genüsslich an seiner letzten Kippe qualmte, verfloss er in seinen Gedanken und dachte an all die schönen Momente, die er bereits mit Fluppe im Mund bereits erlebt hat.

Die erste Kippe, hinterm Schuppen damals mit seinen Homies Flo und Daniel, alle drei fanden die Zigarette, die sie vorher gekonnt aus der Kippenbüchse des Vaters entwendeten, widerlich, aber kämpften sich durch die ersten 2 bis 3 Züge.

Danach waren alle drei angefixt von dem Adrenalin und dem kurzen Rauschzustand, den das Nikotin bei den Burschen hervorrief.

Sie sollten in den nächsten Jahren noch viele Zigaretten klauen, um sie gemeinsam irgendwo heimlich in ihrem kleinen Dorf zu rauchen.

Flo raucht schon lange nicht mehr, auch Daniel der, später Sport studiert hat, hatte schnell wieder mit dem Rauchen aufgehört, nur Stephan raucht, bis heute.


Jetzt stand er da in seinem Bademantel und den pinken Crocs die ihm seine Ex-Freundin geschenkt hat, und qualmte seine Kippe auf dem Balkon.


Doch nun geschah etwas, was Stephan seit seiner ersten Zigarette vor all den Jahren hinterm schuppen nicht mehr passiert war. Der letzte Zug schmeckte … widerlich. Verdutzt schaute Stephan seine halb gerauchte Red an. Er zog noch einmal. Und noch einmal, dann drückte er die Kippe in den überfüllten Aschenbecher aus.


Ihm war schlecht.


Merkwürdig.


So sollte es wohl sein. Die ersten 3 Züge, die er je rauchte, waren eine Qual, so jetzt auch die letzten. Das hatte er noch nie. Bei jedem Versuch des Aufhörens war er immer wieder gescheitert, weil er dem Geschmack einer letzten Zigarette nicht widerstehen konnte.


Hoffnung machte sich in Stephan bereit, so lange kämpfte er schon damit dieses teuflische Ritual aus seinem Alltag zu verbannen, inzwischen war er zum ersten Mal zuversichtlich, dass er eine Chance gegen den Teufel auf seiner Schulter hat, der ihn all die Jahre immer wieder dazu gebracht hat doch wieder zum Kiosk zu gehen und sich ’ne frische Schachtel Reds zu holen.


Stephan lächelte, nahm sein Handy und seine leere Kaffeetasse wieder mit in die Küche, schloss die Balkontür, legte dass Feuerzeug in die Schublade mit dem Besteck. Sprang unter die Dusche, machte sich fertig, ging zur Arbeit und blickte nie wieder zurück. 



(Bild von Phillip Horka)




Von Noah Nelson Nash







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